Tag 11 der Kontaktsperre im Jahr 2020 (02.04.2020)

 

 

 

Einen wunderschönen guten Morgen. Mittlerweile sind wir im April und haben um 8.31 Uhr noch -1 Grad. Wenn ich hier so aus meinem Fensterschaue – runter ins Tag – sehe ich derzeit einen schönen blauen Himmel, leichte weiße Wölkchen und wunderbare Sonnenstrahlen. Der Morgen verspricht viel.

 

 

Heute ist bereits Tag 11 der Kontaktsperre und ich muss sagen, wir als Familie kommen noch ganz gut damit zurecht. Natürlich gibt es mal den ein oder anderen Moment, aber ich bzw. wir können uns dann schnell wieder „einfangen“. Was macht man denn an so Tagen – im Internet stelle ich immer wieder fest, das in Netzwerken oft danach gefragt wird was macht ihr mit euren Kindern? Welches Buch, welches Spiel? Usw.  Ja, das sind alles gute Fragen. Aber was macht man denn nun? Vom Fragen alleine passiert nicht viel.

 

 

Unser Tag beginnt mit KITA-Sport auf YouTube. Es gibt eine Berliner Basketballmannschaft die damit durch die Decke gegangen ist und auch unsere Tochter liebt es. Also damit beginnt unser gemeinsamer Tag – meiner natürlich schon etwas eher mit Aufräumen, „Fertig machen“ und an manchen Tagen Homeoffice. Zurück zum gemeinsamen Tag – nach dem Sport frühstücken wir zusammen und danach basteln oder spielen wir etwas zusammen. Wenn es nicht gerade höllisch kalt ist, gehen wir im Wald spazieren. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es am Vormittag die beste Zeit zum Spazierengehen ist – aber bitte nicht weitersagen J. Wichtig ist uns auch, dass wir mittags zusammen essen und am Nachmittag geht es oft in den Garten. Vorteilhaft für uns ist es, dass wir Rutsche, Schaukel und Sandkasten haben. Zum Abend hin gibt es ein gemeinsames Abendessen und wir lesen abwechselnd jeden Abend unserer Tochter eine Geschichte vor. So hat sie weiterhin Struktur, Zuversicht und Halt von uns beiden.

 

 

Heute Morgen war es mein Ziel, den Spielbereich im Garten zu erweitern. Also habe ich mich kurz vor 8 Uhr an den Rechner gesetzt um bei einem bekannten Discounter ein Trampolin zu bestellen. Na was soll ich sagen – ich glaube ich war nicht die Einzige….

 

28 Minuten später hatte ich endlich die Bestätigung per Email, dass der Einkauf funktioniert hat. Ich weiß nicht, wie oft ich die Meldung bekam – „Sorry unser Onlineshop ist derzeit nicht verfügbar“. AAARRRGGGGHHHH!!! Und dann hat es anscheinen doch noch geklappt. SUPER J. Aber für die Nerven war das heute Morgen schon genug Sport.

 

 

Apropos Sport –wie haltet ihr euch fit – jetzt wo alle Fittis geschlossen haben? Ich habe mir zu Beginn der Corona-Zeit ein paar Sportutensilien besorgt und versuche jeden bis jeden zweiten Tag etwas für den Körper, die Seele und den Geist zu tun. Ich hoffe sehr, dass ihr das auch macht. Manchmal hilft es auch die Stöcke in die Hand zu nehmen und eine Stunde durch den Wald zu walken!

 

 

Aber jetzt mal zur Kontaktsperre – wie geht es EUCH damit? Ich erlebe es immer wieder, dass einige unsere Mitmenschen weniger darauf achten Abstand zu halten. Achten sie da nicht drauf, weil es ihnen egal ist oder vielleicht auch, weil sie nicht daran denken? Wir sind die Tage durch den Wald gegangen – 2 Erwachsene und 1 Kind – also wir als Familie J. Wir trafen befreundete Nachbarn die in der Nähe Wohnen und wir unterhielten uns – sogar mit weitaus mehr Abstand als 1,5 m – aber wir waren dann zu 4 Erwachsene. Erst während dem Gespräch kommt dann der Gedanke – Mensch – das dürfen wir doch nicht. JA es stimmt – derzeit dürfen wir nicht. Es ist so traurig und vielleicht doch so hilfreich. Was sagte unsere Kanzlerin Abstand ist die neue Nähe!

 

 

Ich glaube fest daran, dass es auch wieder andere Zeiten geben wird. Vielleicht nicht mehr so wie es mal war, aber es wird wieder anders und bestimmt auch „freundlicher“. Ich wünsche euch allen und mir, dass wir stets optimistisch bleiben, uns regelmäßig ein Lächeln schenken können und den Glauben an uns nicht verlieren.

 

 

Passt weiter gut aufeinander auf. Eure Birgit

 

 

 


 


Tag 5 der Kontaktsperre im Jahr 2020 (27.03.2020)

 

 

Heute sitze ich an meinem Schreibtisch. Freitags habe ich in der Regel frei – wie das Wort Freitag das doch auch so schön beschreibt. Aber wir haben 6:45 Uhr ich bin wach und schalte meinen Computer an. Es gibt einen wichtigen Vorgang den ich gerne bearbeitet habe und möchte ungern bis Montag warten. Nach ein zwei Telefonaten, hier eine E-Mail und dort eine E-Mail ist es mir gelungen, dass alles seinen geordneten Weg gehen wird und ich kann nach knapp 2 Stunden den Computer wieder herunterfahren.

 

 

Eigentlich ist frühes Aufstehen gar nichts für mich, aber ich muss zugeben, solange meine Tochter noch schläft, kann ich viel mehr (beruflich) in Ruhe schaffen als mit Ihr. Wobei ich muss sagen, mit ihr geht es auch ganz gut. Sie liegt dann auf meinem Teppich und malt oder bastelt oder hört in ihrem Zimmer Musik oder lauscht schönen Geschichten über die Toni-Box.

 

 

Fertig mit der Arbeit höre ich sie auch schon rufen „Mama komm doch bitte und such mich“. Diese Worte schenken mir ein Lächeln ins Gesicht. So doof diese CORONA Zeit nun ist, umso wertvoller ist doch jetzt die Zeit mit der Familie. Gerade mit Kindern und auch kleinen Kindern, die, die sich noch entwickeln und das täglich, sich neu entfalten und immer wieder neue Klöppse bringen, die uns als Eltern ein wunderbares Lächeln schenken. Das ist doch geschenkte Zeit.

 

Also wenn ich an die Wochen vor CORONA denke, war das bestimmt auch möglich aber in einem ganz anderen „Dasein“, in einem ganz anderen Tempo und in einer ganz anderen Wahrnehmung.

 

 

Sicherlich fällt mir jetzt auch ab und zu die Decke auf den Kopf. Und auch hier kann ich nur wieder einen Dank aussprechen. Einen Dank an meinen Mann. Er bemüht sich viel im Homeoffice zu arbeiten – soweit das von seinem Arbeitgeber aus möglich ist. Mich darin zu unterstützen, dass wenn ich arbeiten bin, er im Homeoffice ist und sich währenddessen um unsere Tochter kümmert. So können wir immer egal wann, egal wie, egal wer für unsere Tochter – und auch uns – da sein.  Und dann gibt es noch die Zeit – die sogenannte „Mamazeit“. Ich gehe für mich eine Runde spazieren, walken oder in meinen Entspannungsraum. Aus meinem Entspannungsraum habe ich mittlerweile auch einen Fitnessraum gemacht sodass ich immer genau das machen kann, was ich brauche. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für meinen Mann und meine Tochter J. Meine Tochter fragt auch oft nach ob wir zusammen Entspannung machen. Zusammen Entspannung bedeutet dann auf die Matte legen, und der Entspannungsreise „Ans Meer“ lauschen. Die dauert so etwas 10 Minuten und wird total geliebt. Unsere Tochter erfreut sich immer wieder und findet es lustig die Mama auf einer CD zu hören.

 

 

Und dorthin mache ich mich jetzt auf – auf die Entspannungsreise „Ans Meer“. Wenn wir nicht zum Meer kommen, kommt das Meer eben zu uns.

 

Schließ auch Du hin und wieder mal die Augen, atme ein paar Mal bewusst tief ein und wieder aus und stelle dir dann deinen Lieblingsort vor – versuche Geräusche, Gerüche, Farben und oder Formen wahrzunehmen - aber vor allem – genieße diesen wunderbaren Moment.  Achtsamkeit und Entspannung ist auch in so unvorstellbar ruhigen Tagen enorm wichtig und sollte nicht vernachlässigt werden. Achte auf dich und deine Lieben. Bleibe dir selber treu und versuche „Luft“ zu holen.

 

 

In diesem Sinne, denke an das Atmen und das schöne im Leben. Eure Birgit

 

 


Tag 2 der Kontaktsperre im Jahr 2020 (24.03.2020)

 

 

Es ist 8 Uhr morgens und ich raffe mich – fast  zum ersten Mal – auf um eine Runde spazieren zu gehen. Ein Blick auf mein Handy verrät mir, dass wir 2Grad Minus haben und ich mich dementsprechend kleiden muss. Mit Jacke, Schal und Handschuhen mache ich mich auf die Reise meines ersten Frühspaziergangs zu Zeiten der Kontaktsperre im Jahr 2020.

 

 

Was stelle ich zuerst fest?! Die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich freue mich darauf die frische und klare Luft einzuatmen, dann stelle ich fest – es ist ruhig. Wir haben Dienstagmorgen 8.00 Uhr und es ist verdammt ruhig. Für einen Moment könnte ich glauben die Welt steht still. Doch dann passiert es, ich nehme Tier-Rufe wahr wie noch nie. Vögel aller Arten hört man zwitschern – es ist ein richtiges fest und schenkt mir ein Lächeln. Während meiner Runde über den Berg – ich wohne ganz oben in der letzten Straße- stelle ich fest, dass viele „Häuser“ noch schlafen und andere wiederum bereits im Homeoffice ganz fleißig sind. Und wieder andere gehen bereits mit dem Hund spazieren. Ich muss immer darauf achten, dass wenn ich jemanden treffe, maximal mit einer Person auf 1,5m Abstand stehe, damit wir uns kein Bußgeld einfangen. Aber wie bereits gesagt, viele treffe ich auch gar nicht.

 

 

An einem – früheren- normalen Tag konnte man bereits zu viel früherer Stunde schon den ganzen Berufsverkehr vom Fuße des Berges hören und wusste, die Zeit rennt wieder.

 

 

Global wurde die Welt in den letzten Jahren immer schneller und schneller. Wenn es früher normal war einen Brief zu schreiben, den mit der Post zu versenden und man wartete auf eine Antwort – gingen schon 1-2 Wochen ins Land – heute verschicken wir eine E-Mail oder WhatsApp oder Ähnliches und flippen nach spätestens 15 Minuten aus, wenn keine Antwort kommt.

 

 

Zurück zu meinem Spaziergang. Ich nehme heute den Berg, die Straßen und ihre Häuser ganz anders wahr. Ich habe auf einmal einen anderen Blickwinkel. Einen entschleunigten. Ich schaue mir Fenster und Türen an und stelle fest, dass viele trotz der derzeitigen Situation, Osterdekorationen ins Fenster hängen/stellen und auch hier und da ein paar Sträucher mit bunten Ostereiern behangen sind. Ansonsten ist es sehr, sehr ruhig. Vereinzelt fährt mal ein Auto hoch, aber das ist ein Handwerker oder Dienstleister – viel mehr können ja fast nicht mehr arbeiten. Zumal es hier oben keinen lebensnotwendigen Einzelhandel gibt.

 

 

Ich gehe weiter, schaue mir die blühenden Blumen in den (Vor-) Gärten an, höre den zwitschernden Vögeln zu und halte kurz inne – ja, die Welt wird wieder langsamer. Es ist interessant wieviel Potential wir und jeder einzelne dadurch für sich erkennen kann. Ich atme nochmal tief und bewusst ein und aus und gehe weiter – auf meiner ersten Reise durch eine andere Welt. Kurz bevor ich zu Hause bin, stelle ich fest, dass durch die Straßen immer dasselbe Auto fährt. Als es an mir voreikommt stelle ich fest, dass es von der Stadt ist – das Ordnungsamt kontrolliert ob sich auch jeder an das Kontaktverbot hält. Es steigt ein komisches Gefühl in mir hoch  - so kontrolliert zu werden wo wir doch früher so „frei“ waren. Ich denke kurz darüber nach und gehe weiter. Mein heutiger Frühspaziergang endet bald und ich freue  mich erfrischt daheim zu sein und starte in das „neue“ Leben mit meiner Familie.

 

 

Als Entspannungspädagogin beschäftige ich mich viel mit Entschleunigung und Ruhe und Entspannung, aber auch das ist jetzt mal etwas viel krasseres, was auch ich anders wahrnehme –und ich versuche es positiv wahrzunehmen, was mir hier und da auch schwer fällt. Als Ehefrau und  Mama einer 4-jährigen Tochter, berufstätig zu sein und parallel auch noch Teil-Selbstständig zu sein, ist es eine große Herausforderung „teilgefangen“ im eigenen Heim zu sein. ABER wir machen das Beste draus und im Zweifel weinen wir zusammen eine Runde und wenn es wieder gut ist, nehmen wir uns in den Arm und freuen uns über das gute Wetter und überlegen was wir zusammen anstellen können.

 

 

In diesem Sinne, lasst auch die Emotionen raus wenn es sein muss und erfreut euch des Lebens und den neuen Möglichkeiten. Passt einander auf wo es nur geht und seit dankbar für die Liebe im Herzen. Eure Birgit